gottes häuser

die sehnsucht der kirchen nach den menschen scheint größer als die der menschen nach den kirchen. die zeiten ihres fast alternativlosen zufluchtsangebotes - in ihr schützendes bauwerk, in ihren schützenden glauben - sind vergangen. heute sind hierzulande die meisten kirchen meistens einsam.

über die jahrhunderte fallen kirchenbauten zwar gleichgültigkeit, auch feindschaft zum opfer, erleben wirtschaftliche not und entfremdung von ihrer gemeinde, oft sogar glaubens- und sonstige kriege, aber sie retten sich doch meist in neue anerkennung und identifikation. davon zeugen allein in dem von mir bereisten sachsen-anhalt mehr als 1800 existierende kirchenbauten, die sich allerdings in sehr unterschiedlicher verfassung zeigen.

thema dieser fotografischen erkundung sind nicht kunstschätze und architekturjuwelen, sondern die schönheit und lebendigkeit des kirchenalltags in all seiner so menschlichen unvollkommenheit. sie zeigt kirchliche interieurs als sinn-bilder für die ewige baustelle des lebens, über konfessionelle grenzen, über die frage eines glaubens überhaupt hinweg.

auch penible ordnung kann kirchen den tod bringen: als (allzu) schönes denkmal, als touristenattraktion. dagegen zeigen baustellen, provisorien, improvisationen: hier ist leben! trotz allem und noch immer! für mich macht genau das gottes häuser bild-schön.